Vor Ölmalerei war Tempera
Vom 13. bis 15. Jahrhundert war Eitempera das Haupt-Malverfahren in Europa. Ikonen, Tafelbilder, Altäre — fast alles wurde mit Eigelb-Bindung gemalt. Die Werke aus dieser Zeit (Giotto, Duccio, frühe Florentiner) zeigen, wie haltbar und leuchtend Tempera ist.
Warum Eigelb?
Eigelb ist eine natürliche Emulsion aus Öl und Wasser. Es bindet Pigmente, trocknet schnell und bildet einen filmartigen, leicht elastischen Auftrag. Nach Monaten ausgehärtet ist Tempera fast unverwüstlich.
Rezept
- Frisches Ei trennen — nur das Eigelb verwenden
- Eigelb vorsichtig vom Eihäutchen abrollen (Sack anstechen, Inhalt in Glas)
- Mit gleicher Menge destilliertem Wasser verrühren
- Pigment (gekauft als Trockenpulver) auf einer Glasplatte mit dem Eigelb-Wasser-Gemisch verreiben — Palettmesser, dann Reibstein für feinere Aufschlüsselung
- Konsistenz wie dicke Sahne
- Nur frisch verwenden — nach 1-2 Tagen kippt die Mischung
Anwendung
Tempera wird in dünnen Schichten mit Schraffuren aufgebaut (Cross-Hatching wie bei Zeichnung). Die Schichten verschmelzen optisch zu einer Tonalität — das gibt der alten Tafelmalerei ihren leuchtenden Charakter.
Träger
Klassisch: Pappel- oder Lindenholz mit Kreidegrundierung (Gesso). Modern auch grundierter Karton oder Aquarellpapier.
Wo lernen?
Ikonenmaler-Workshops und Restaurierungs-Kurse sind die besten Quellen für klassische Tempera. In der Schweiz gibt es einige spezialisierte Ateliers — eine Suche im Verzeichnis nach „Tempera“ oder „Ikonenmalerei“ hilft.
